Lama to go

Bewegungen mit besonderen Tieren

Wanderungen mit Lamas fördern die Achtung und den Respekt, im Kontakt mit den Tieren lösen sich Ängste und die Menschen werden angeregt, festgefahrene Strukturen zu verlassen.

Der Diplom-Pädagoge Werner Schröder nimmt mit seinen fünf Lamas bis zu zehn Teilnehmer mit auf einen Spaziergang rund um Bad Bevensen.

Erleben Sie einen entspannten, aufregenden, beruhigenden und außergewöhnlichen Nachmittag.

Informationen zu der Veranstaltung Lama to go

Wann? Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat (Mai - Oktober), 10.00 Uhr

Treffpunkt: Tourist-Information, Bad Bevensen

Kosten pro Teilnehmer: 18 Euro mit Bevensen-Card (Kurkarte), 20 Euro ohne Bevensen-Card

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Unterwegs mit den Delfinen der Weide

Ein ungewöhnlicher Spaziergang - Artikel von Ines Utecht

Seit fünf Jahren sind der Diplom-Pädagoge Werner Schröder und seine Ehefrau Wiebke in Bad Bevensen und Umgebung mit ihren fünf Lamas unterwegs. Sie besuchen mit ihnen Behinderteneinrichtungen, Seniorenheime und ein Hospiz, wandern mit Gesunden und Kranken, Einheimischen und Touristen durch Wald und Heide. Der Pädagoge nennt die Tiere 'Delfine der Weide', denn sie sind hervorragend für Therapiezwecke geeignet. Diese Tourismusgeschichte, so Schröder, sei eher so ein Beiwerk. Ein ziemlich gelungenes Beiwerk, wie der Selbstversuch zeigt.

An einem strahlend schönen Frühlingstag machen wir, eine Gruppe von Frauen und Männern, uns auf den Weg mit Netiri, Katara, Opala, Kilkenny und Dancer, und natürlich mit Werner Schröder und seiner Frau Wiebke. Nicht zu therapeutischen, sondern zu touristischen Zwecken. Treffpunkt ist vor dem Kurhaus in Bad Bevensen. Die hochgewachsenen Tiere treten aufgeregt von einem Bein auf das andere, wir Menschen sind auch nicht gerade entspannt. Mit Lamas ist man schließlich nicht jeden Tag unterwegs. "Erstmal in die Augen schauen", rät Werner Schröder, "Lamas sind keine Streicheltiere, aber sie fassen Zutrauen über den Blickkontakt." Angst vor dem Spucken müssen wir nicht haben - Lamas spucken nicht Menschen, sondern einander an. So legen sie die Rangordnung fest.

Wie kam Schröder zu den Lamas? "Die letzten 20 Jahre habe ich an Berufsschulen im Bereich Sozialpädagogik gearbeitet", erzählt Werner Schröder, 68. "In den vergangenen Jahren ist das Thema tiergestützte Pädagogik oder auch tiergestützte Therapie immer größer geworden. Ich habe ein einschneidendes Erlebnis gehabt in einer Behinderteneinrichtung. Bei der Therapie eines schwerst körperlich und geistig behinderten Mädchens wurde ein Labrador eingesetzt. Das war so genial, dass ich sehr eindrucksbeladen nachhause kam und zu meiner Frau sagte: wenn ich mal pensioniert werde, möchte ich irgendwas in dieser Richtung mit Tieren machen." Gesagt, getan. Aber warum ausgerechnet Lamas? "Sie sind leichter zu halten als Delfine und brauchen nicht so viel Wasser", sagt Werner Schröder und lacht. Der eigentliche Grund: die Tiere sind einfühlsam, sensibel und neugierig, wie Delfine eben, und sie spiegeln das Verhalten der sie umgebenden Menschen. In den Seniorenheime und dem Hospiz, - die Tiere fahren sogar mit dem Fahrstuhl bis in den ersten Stock - bringen sie die Bewohner zum Staunen, Lachen, kurz: zu Emotionen. Eine todkranke Bewohnerin, erzählt Schröder, reagierte zunächst auf nichts. Dann habe sie aber doch angefangen, in einem der Tiere zu nesteln, und als er genau hinschaute, habe er festgestellt, dass die Frau die langen wolligen Haare des Lamas zu kleinen Zöpfchen geflochten habe. Eine Geste, Kommunikation, ein Gefühlsausdruck, ohne Worte.
Als Therapieform sind die Tiere insbesondere für Burnout-Patienten geeignet. "Die Patienten kommen zur Ruhe und schieben sich selber beiseite", erklärt der Lamahalter, "denn ihre Konzentration liegt ganz auf den Tieren, auf die sie sehr achten müssen."

Nun hat aus unserer Gruppe zwar niemand Burnout und auch der Stress-Level jedes Einzelnen könnte sicher noch höher liegen. Aber wir sind eine bunt gemixte Truppe und den Umgang mit Lamas nicht eben gewöhnt. Wir setzen uns in Gang, und die Schröders wählen für die ersten Meter unseres Spaziergangs kurzerhand das Foyer des Kurhauses. Die Leute, die im Kurhaus unterwegs sind, staunen nicht schlecht über unseren Gang mitten durch die große Halle, klar, Lamas sieht man nicht alle Tage, erst recht nicht in einem Kurhaus. Im Kurpark setzen wir unseren Weg unter weiteren neugierigen, aber durchweg wohlwollenden Blicken fort. Wir sind 10 Leute und 5 Lamas, schnattern durcheinander, bleiben zwischendurch stehen oder wechseln uns mit den Lamas ab. Netiri und ihre Kumpels finden uns offenbar zu unruhig, sie rucken an ihren Führstricken und trippeln mal nach links, mal nach rechts. Bevor die Gruppe nicht ihren Rhythmus gefunden hat, können sie ihren eigenen nicht finden.

Auf gewisse Weise lustig und ein bißchen entlarvend: die Gruppenteilnehmer zeigen bei diesem Spaziergang ihre ureigenen Charaktereigenschaften - Jonas etwa, Mitte 30 und gerade Vater geworden, achtet darauf, dass die Tiere nichts für sie Giftiges am Wegesrand fressen. Patrizia, offenbar an ihr eigenes Tempo und Kommando gewöhnt, wird leicht ungeduldig, wenn immer wieder jemand stehen bleibt und treibt zum Weitergehen an. Der junge, sehr ruhige Matthis gibt bereitwillig immer wieder sein Lama an andere ab und lässt den anderen den Vortritt. Werner Schröder erzählt von einer Teilnehmerin, die im geblümten Sommerkleid, großem Hut und ebensolcher Sonnenbrille mit ihrem Lama nicht zurecht kam, weil es ihr nicht "gehorchte" - wie er denn so einen Spaziergang überhaupt anbieten könnte, fragte sie ihn säuerlich. Seine Erklärung, dass das Tier den Blickkontakt mit ihr brauchte und ihr in die Seele schauen müsse, um Zutrauen zu fassen, verstand sie nicht. Sie weigerte sich, die Sonnenbrille abzunehmen, eine Verbindung zwischen ihr und dem Tier kam nicht zustande.

Am Ende des Kurparks gehen wir in den angrenzenden Wald hinüber, und langsam wird es stiller in der Gruppe. Prompt werden auch die Lamas ruhiger, gleichmäßigen Schritts stapfen sie nun voran. Auch Werner Schröder ist zufrieden. "So soll die Wanderung sein", sagt er, "entspannend für Mensch und Tier." Wir gehen entlang der Ilmenau, eine milde Märzsonne sendet ihre Strahlen durch die Bäume. Es ist herrlich, und unsere Verwunderung, mit Lamas auf diesem schönen Spaziergang unterwegs zu sein, legt sich zusehends. Wir biegen nach rechts in den Wald ab, es geht leicht bergauf, und schließlich stehen wir auf einer Anhöhe. Durch die noch lichten Bäume schweift der Blick weit ins Ilmenautal, bevor es über einen stufigen Pfad wieder hinunter geht. Flott klettern Netriri und Co. mit uns den Weg hinunter; trotz ihrer staksigen, dünnen Beine, die verhältnismäßig kräftige Leiber tragen müssen, sind sie erstaunlich behende.

Da in unserer Gruppe mehr Menschen als Tiere sind, tauschen wir sie immer wieder untereinander, was die wolligen Exoten auch nicht stört. Ihnen ist viel wichtiger, dass sie mit ihren Artgenossen in der richtigen Reihenfolge laufen. Wenn zum Beispiel Opala, das Leittier nicht vorne ist, setzt Netiri keinen Huf mehr vor den anderen. Hier ist es wieder gefragt, das Sich-selbst-zurückstellen, die Ausrichtung nach den Tieren und nicht nach den eigenen Vorstellungen. Zurück geht es wieder entlang der Ilmenau und durch den Kurpark. Nach zwei Stunden sind wir wieder beim Kurhaus angekommen. Und auch ein bißchen bei uns selbst.